Entwicklung und Konzeption des Orgelbauprojekts

Die Pauluskirche im Zentrum Zehlendorfs wurde 1905 im Stile der „märkischen Backsteingotik“ nach einem Entwurf von Hubert Stier erbaut. In den Jahren 1955-59 sowie 1990-92 wurde sie jeweils umgestaltet.

Orgelbauverein der Pauluskirche Zehlendorf

Im Juni 2006 gründete sich der Orgelbauverein der Pauluskirche Zehlendorf e.V. Als Schirmherr konnte Bischof Dr. Wolfgang Huber gewonnen werden. Bis zum Dezember 2009 wurden 417.000,- € gesammelt.

Die Neue Paulus Orgel

Zu dieser fachlichen Planung ist ein Orgelfachbeirat einberufen worden. Ihm gehören die Professoren Leo van Doeselaar und Paolo Crivellaro, Universität der Künste, Berlin, der Orgelsachverständige der EKBO Michael Bernecker sowie Kantor Cornelius Häußermann an.
Der Fachbeirat hat ein Anforderungsprofil der neuen Orgel formuliert, das Grundlage für das spätere Ausschreibungsverfahren werden soll. Hier sind die Klangprofile und die technischen Anforderungen sowie zwingend die Freilegung der Rosette beschrieben.
Der Bau einer „Universalorgel“, die es uns möglich macht, dem Anforderungsprofil entsprechend einen großen Teil des Orgelrepertoires klanglich „originalgetreu“ bzw. befriedigend wiederzugeben, schließt eine weitgehende öffnung der Rosette aus. Damit wäre eine der wichtigsten Bedingungen für einen Orgel-Neubau nicht erfüllt.
Nicht zu verantwortende technisch bedingte Mehrkosten durch zu geringes Platzangebot, ein unverhältnismäßig hoher technischer Aufwand und dadurch bedingte höhere Störanfälligkeit würden hier entstehen. Das führte zu der Überlegung, abweichend vom Konzept einer „Universalorgel“ nun zwei Orgeln mit jeweils eigenständigem Klangprofil zu bauen, um so die formulierten Anforderungen zu erfüllen. Auf diese Weise wäre sichergestellt, dass die ursprünglichen Klangziele auf unverfälschte Weise und ohne unbefriedigende Kompromisse erreicht werden könnten.

Die Große Orgel

Die neue Orgel auf der Empore über dem Haupteingang (Süd-West-Seite) muss die Fensterrosette freihalten. Diese neue Orgel soll sich durch ihre Bauweise v.a. des Windladenbaus, der Pfeifenansprache und der gesamten Klangarchitektur so weitgehend wie möglich an den von Aristide Cavaillé-Coll erbauten Instrumenten und ihrer Klangsprache orientieren. Sie soll sowohl liturgischen als auch konzertanten höchsten Ansprüchen genügen. Sie soll ca 35-38 Register erhalten, 3 Manuale, davon 2 schwellbar. Der Spieltisch soll in die Orgel integriert sein, so dass ein größeres Platzangebot auf der Empore als bislang entsteht.

Hier wurde das Angebot der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke ausgewählt.

Es überzeugt in allen Bereichen, sowohl den klanglich-technischen, als auch durch den besonders gelungenen Prospektentwurf, der die Rosette freihält. Die Leidenschaft und Neugierde in orgelbaulichen Fragen neben einer außerordentlichen hohen Kooperationsbereitschaft der jungen Mitarbeiter mit ausgewählten Fachberatern zusammenzuarbeiten sind für den Neubau die besten Voraussetzungen. Sie sind bereit, neue Wege zu gehen. Durch ihre hohe technische Präzision und Wertigkeit überzeugen die Orgeln dieser Orgelbauwerkstatt in Kirchen und Konzertsälen der ganzen Welt.

„Bach“-Orgel

Auf der ursprünglichen Orgelempore, auf der 1905 die erste (Sauer-)Orgel stand, soll eine „Bach“- Orgel ihren Platz finden. Dieses Instrument soll mit seinem Registerbestand, seiner Bauweise, den Klaviaturumfängen, Ansprache und Intonation ein ideales Instrument zur Darstellung v.a. der Bach’schen Orgelmusik werden. Sie soll sich an mitteldeutschen Vorbildern ähnlicher Größe orientieren (Silbermann und Trost). Sie soll 2 Manuale und im Endausbau ca.18 Register erhalten.

Für die Barockorgel wurde der Entwurf der Orgelbauwerkstatt Rowan West ausgewählt.
Die Klarheit und Einmaligkeit des Prospektentwurfs überzeugen, stellen aber auch sicher, dass das Instrument sich nicht im Raum aufdrängt. Die überragenden Intonations-leistungen des OBM Rowan West, die in seinen bereits gebauten Instrumenten zu hören sind, lassen auch hier ein Instrument erwarten, das die akustischen Möglichkeiten der Pauluskirche auf überzeugende Weise optimal erfüllen wird.

Die Fertigstellung der beiden Orgeln ist für das Jahr 2013 geplant.

Diese Konzeption wurde am 7. September 2008 einstimmig durch die Mitgliederversammlung des Orgelbauvereins beschlossen. Der Gemeindekirchenrat der Paulus-Gemeinde hat sie in seiner Sitzung am 9. September 2008 angenommen.